Erfahrungsbericht: S. Schnyder
„Meine Erfahrungen in der Kunsttherapie bei Natalie Danzeisen:
Es war meine Zeit des Raumes zwischen "nicht mehr" und "noch nicht"; mein altes Leben war zusammengebrochen, existierte nicht mehr, ein Trümmerhaufen bestehend aus Wehmut, Angst, Lähmung und doch einer seltsamen Art von Erleichterung; aber etwas Neues war noch nirgends in Sicht. Die Kunsttherapie halfen mir massgeblich dabei, genau diesen Raum immer wieder auszuhalten; immer wieder innezuhalten, durchzuatmen und mir selbst und "dem Universum" zu erlauben, mir eine Art Schutzraum zu schaffen, in dem etwas Neues entstehen konnte.
Ganz konkret: ich hatte ganz lange komplette Versagensgefühle, hatte das Gefühl, nichts mehr auf die Reihe zu kriegen und doch zu müssen, ich muss doch arbeiten, weitermachen...durch das konkrete Gestalten, fühlen, sehen, berühren meines "Rückzugs- und Schutzraums" in der Kunsttherapie wurde für mich noch einmal plastisch deutlich, dass dies nun mein Recht war, immens wichtig und richtig, damit etwas Neues überhaupt werden kann. Dies wäre für mich niemals so nachhaltig gewesen, wenn es rein gesprächsbasiert besprochen worden wäre, da ich so dermassen tiefsitzende Glaubenssätze darüber hatte, was man doch müsste und sollte.
Rückblickend fühlt es sich fast an wie ein Winterschlaf, in dem sich still und leise etwas Neues formierte, gesetzte Samen unsichtbar zum Leben erwachten, die ich aber noch weder sehen noch fühlen noch greifen konnte.
Es war schwierig und verlangte mir alles ab; ich als "Macherin" kam an meine absoluten Grenzen, es wurde mir aber ebenfalls wieder, gerade dadurch, deutlich bewusst, wie sehr ich bisher genau durch dieses ewige "Machen" in genau diese Sackgasse geraten war. Ich musste üben loszulassen. Immer wieder. Immer wieder. Und vertrauen lernen. Immer wieder.
In diesen Stunden setzte ich mich vertieft mit meiner damaligen Situation auseinander. Künstlerisch...doch das, was mir persönlich so unglaublich gut tat, war die Tatsache, dass es nicht darum ging, etwas "Tolles", "künstlerisch Wertvolles" zu "produzieren"; es ging einfach ums Machen. Über verschiedene Zugänge und unterschiedlichste Materialien führte mich Natalie Danzeisen in den Prozess hinein. Mal waren es Gegenstände, mit denen ich mir einen "Schutzraum" bauen sollte; dann wieder verschiedene Stoffe, Papiere, Hefte für Collagen, und natürlich auch Pinsel und Wasserfarben, mit denen ich mit offenen, aber auch mit geschlossenen Augen malen sollte. Einfach von der Intuition geleitet.
Mir wurde überdeutlich bewusst in welchem Ausmass ich mich im Grunde bisher vom Kopf und Verstand hatte leiten lassen und das, obwohl ich mich niemals als "Kopfmenschen" bezeichnet hätte!! Ein wahres, nicht nur angenehmes Aha-Erlebnis.
Zu Beginn fiel mir dieses "einfach machen" auch dementsprechend schwer. Doch nach und nach spürte ich, wie unendlich gut es mir tat, einfach loszulassen, und es war faszinierend, wie auf fast magische Art und Weise etwas entstand, was tief aus dem Herzen (oder der Seele) kam und so viel offenbarte, wenn die Kunsttherapeutin und ich es anschliessend gemeinsam besprachen. Und ebenfalls entstand "Magisches" oft im Moment, unplanbar, flüchtig nur, doch umso erstaunlicher.
Mir scheint dass das, was eine Kunsttherapeutin oder ein Kunsttherapeut macht, in vielen Köpfen noch sehr verschwommen und unklar ist. Es geht in keinster Weise darum, einfach "ein bisschen malen zu gehen". Es ist ein psychologischer Prozess, der in Wechselwirkung mit der Handlungsebene stattfindet und so einen enorm tiefgreifenden Effekt erzielt und, da mit dem Tun verbunden, umso nachhaltiger wirkt. Meine Erfahrung ist, dass die Kunsttherapie in kürzerer Zeit mehr bewirkt als eine klassische Psychotherapiestunde, die ausschliesslich gesprächsbasiert ist. Das ist natürlich subjektiv und bei jedem Menschen sehr verschieden, deshalb spreche ich hier explizit über meine eigene Erfahrung damit. Durch den künstlerischen Ausdruck offenbaren sich einem Dinge auf eine andere, einprägsamere Art, man kommt auf einer ganz tiefen Ebene in einen Austausch mit sich selbst und deckt handelnd das auf, um was es gerade geht, was die Kernthematik ist. Und durch das Handeln entstehen gleichzeitig Handlungsmöglichkeiten, wie es weitergehen könnte, sie werden während des Prozesses sichtbar gemacht, auch solche, die der Verstand von allein nie gesehen hätte.
Das fand ich das Faszinierendste!

Für die Kunsttherapie muss man weder besonders begabt sein noch die Erwartung haben, man müsse irgendwelche "Kunstwerke" produzieren.
Ich kann die Kunsttherapie wirklich unglaublich empfehlen und zwar allen Menschen, die sich in einer Krise befinden; die sich vertieft mit einem Wendepunkt in ihrem Leben, einem Problem auseinandersetzen wollen; sich in einer gefühlten Sackgasse befinden oder einfach spüren, dass sie irgendwie feststecken und das Leben, das sie im Moment führen, sie nicht (mehr) erfüllt.“